Ortszentrum: „FREI:RAUM“ für die ganze Region

„Wie die Region, muss das Haus ständig weiterentwickelt und neu erfunden werden.“

Es ist eine große Herausforderung, die sich die kleine Gemeinde auf die Schulter geladen hat:

freiraum-19022016 die Umgestaltung der Brauerei-Ruine zu einem Orts- und Regionalzentrum. Vielleicht ist es in der Tat mehr als nur ein cleverer Schachzug und zukunftsweisender Schritt, nämlich ein „einzigartiger Coup“, der da Dingolshausen gelungen ist. Es ist aber auf jeden Fall eine große und spannende Herausforderung, die sich die kleine, selbstbewusste Gemeinde vor den Toren der Stadt Gerolzhofen auf die Schulter geladen hat. Die Rede ist von der Umgestaltung der Hümmerschen Brauerei-Ruine zu einem modernen Orts- und Regionalzentrum. „FREI:RAUM“ nennt sich offiziell das mit hochgesteckten Zielen und Erwartungen, aber auch mit einer hohen finanziellen Belastung verbundene Großprojekt. 1986 hatte die Gemeinde das Areal der 1981 pleitegegangenen Hümmer-Bräu gekauft und sich seitdem Gedanken über eine Verwendung gemacht. Die Umsetzung war aber stets an der Finanzierung gescheitert. Im Rahmen der Planungen für das Nachhaltigkeitszentrum bei Handthal gewann das Projekt 2012 plötzlich wieder an Bedeutung. Ansatzpunkt war, die Seminarräume für die im Herbst 2014 eröffnete Bildungs- und Erlebnisstätte in Dingolshausen zu schaffen. Bürgermeister Lothar Zachmann packte die Chance beim Schopf und holte umgehend die 2006 von der Gemeinde ad acta gelegten Pläne wieder aus der Schublade. Diesmal war der Vorstoß von Erfolg gekrönt. Die Finanzierung ist trotz aller vor allem aus dem Leader-Programm der Europäischen Union fließenden Fördergelder eine gewaltige Aufgabe. 3,65 Millionen Euro fallen inklusive des integrierten neuen gemeindlichen Bauhofs an Kosten an. Knapp 1,8 Millionen Euro sind davon aus eigener Kraft von Gemeinde, Pfarrei und Vereinen zu stemmen. Der Bürgermeister hat jedoch ein klares Ziel. Er betont: „Ich will nicht mehr Geld für das neue Zentrum ausgeben als uns der Hümmer-Komplex gekostet hat.“ Auch der sei als „Riesenkiste, die unterhalten werden musste“, ein stattlicher Kostenfaktor gewesen. Die Miet- und Buchungseinnahmen aus dem „FREI:RAUM“-Betrieb, als auch höhere Umsatz- und Gewerbesteuern von Zulieferbetrieben aus dem Ort sollen dazu beitragen, die Kosten zu kompensieren. Zudem werde der neue Bauhof von den alten Betriebskosten herunterkommen. Dies gelte es genau zu beobachten. Davon ist Bürgermeister Lothar Zachmann aber schon heute überzeugt: „Wie die Region, muss das Haus ständig weiterentwickelt und neu erfunden werden.“ Damit der Plan aufgeht, will eine Einrichtung dieser Größe in der Tat am Laufen gehalten werden. Die eigentliche Bewährungsprobe steht dem Haus also erst noch bevor. Doch Bürgermeister Lothar Zachmann und den Mitstreitern der Lokalen Wirtschaftsförderung Dingolshausen (LWD) an seiner Seite ist nicht bange.Der Ortschef unterstreicht: „Wir haben mit dem Regionalzentrum viel vor.“ Man hat keinen Zweifel daran, wenn man auf der Baustelle steht und es aus Lothar Zachmann und LWD-Vorstandsmitglied Sigrid Fessel-Walter nur so heraussprudelt. Etwa wenn es um die Funktionalität der Räume und hier denkbare Veranstaltungen geht. Schließlich soll das „Frei:Raum“-Projekt nicht nur nach innen wirken, sondern weit über Dingolshausen in die ganze Region ausstrahlen.Wie schon bei der Dorferneuerung oder anderen Initiativen hat sich der Bürgermeister als „Leader“ des Leader-Projektes den Freiraum und die Zeit genommen, um alle, die auf örtlicher Ebene in Frage kamen, in die Planung einzubeziehen und auf dem Weg zu einem gelungenen Werk mitzunehmen. Ein mit Vertretern der Gemeinde, der LWD und wichtigen Multiplikatoren aus der Region besetzter Beirat soll für die Verankerung in der Main-Steigerwald-Region sorgen. Die Gemeinde schlägt mit der Maßnahme letztendlich zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits erhält sie ein schmuckes neues Orts- und Regionalzentrum. Anderseits wird durch den Abriss der Gebäude auf dem ehemaligen Brauereigelände und den Wiederaufbau inklusive neuem gemeindlichen Bauhof ein jahrzehntelang währender baulicher Missstand im Ortskern beseitigt. Dingolshausen möchte in der neuen Einrichtung viele gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Aktivitäten bündeln. Zum einen sind da die zeitgemäßen Nutzungsmöglichkeiten für örtliche Vereine, Pfarrei und Bevölkerung. Die Einrichtung versteht sich aber, wie erwähnt, gerade auch als Angebot an die Wirtschaft. Hier sollen künftig ihr Mittelpunkt und die Denkfabrik für die nachhaltige Entwicklung der Region stehen, so der Plan. Gedacht ist an unterschiedlichste Veranstaltungen von Unternehmen, IHK oder Handwerkskammer, von der Fortbildungsmaßnahme bis zu Märkten und kleineren Messen auf dem Freigelände. Sigrid Fessel-Walter schwebt ein „Impulszentrum für Mittelstand und Wirtschaft in der Region“ vor. Sie betont: „Wir wollen Unternehmen hierher locken, die sonst nicht hierhergekommen wären.“ Der Bürgermeister unterstützt sie, indem er bekräftigt: „Die Region ist sich ihres eigentlichen Potenzials, sprich ihrer eigenen Stärken und Werte noch nicht richtig bewusst.“ Allerdings fehlt es in Dingolshausen oder in der Umgebung noch an einem geeigneten Hotel der Mittelklasse zur Unterbringung größerer Gruppen von Seminarteilnehmern, wie Lothar Zachmann einräumen muss. Trägerschaft, Betrieb und Unterhalt des Gebäudes liegen bei der Gemeinde. Der LWD kommt die Aufgabe zu, für sie quasi als „verlängerter Arm“ die Belegung der Einrichtung zu organisieren und zu koordinieren. Die „FREI:RAUM“-Auftaktveranstaltung bestreitet am Freitag, 22. April, der Dokumentarfilmer und Abenteurer Richard Gress (Dingolshausen/Gerolzhofen) mit dem Vortrag „Die Wildnis und ich“. Die offizielle Eröffnung wird am 18./19. Juni nach der Fertigstellung des Freigeländes gefeiert.

FREI:RAUM: Der Name und die Kosten

Der Name „FREI:RAUM“ steht für FREI-Gelände und feste RÄUME wie auch für den hier gebotenen Freiraum für Ideen, Kreativität, Kommunikation und Kultur. Die Gesamtkosten für das Großprojekt belaufen sich auf 3,65 Millionen Euro. Dazu wird eine Förderung von 1,72 Millionen Euro erwartet, das sind rund 45 Prozent der geförderten Aufwendungen. Der Gemeindeanteil liegt bei 1,78 Millionen Euro. Das FREI:RAUM-Gebäude selbst kommt auf 1,7 Millionen Euro. Dazu gibt es 741 000 Euro Leader-Förderung und 200 000 Euro von der Diözese für die Beteiligung der Pfarrgemeinde. Eigenleistung und Vereinsförderung schlagen mit 150 000 Euro zu Buche. Es sind also viele Parteien an der Finanzierung beteiligt. Die 750 000 Euro für den neuen Bauhof sind komplett von der Gemeinde aufzubringen. Für den Abriss der alten Gebäude und die neuen Außenanlagen fallen 1,2 Millionen Euro an. Dazu sind 770 000 Euro aus Mitteln der Städtebauförderung zugesagt. Zum Artikel (PDF)